Qualitative Methoden am Scheideweg. Jüngere Entwicklungen der interpretativen Sozialforschung

Prof. Dr. Hubert Knoblauch

Technische Universität Berlin, Institut für Soziologie

Die qualitativen Methoden haben in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht. Von einer recht marginalen Methodologie, die mit einem Hippi-Image "aus der Kälte" kam, haben sich diese Methoden in den letzten Jahren massiv ausgebreitet. Auch wenn es in einigen Disziplinen noch Nachholbedarf gibt, so finden die qualitativen Methoden heute in den verschiedensten Disziplinen Eingang. Dabei handelt es sich keineswegs nur um die klassischen Sozialwissenschaften, aus denen sie entstammen; qualitative Methoden werden auch in den Ingenieurs- und Lebens- und Naturwissenschaften aufgenommen.

Der Beitrag möchte einige der jüngeren Entwicklungen auf internationaler Ebene skizzieren und zugleich auf die Kosten des Erfolgs der Methoden hinweisen. Dazu gehört nicht nur eine die Pluralisierung der methodologischen Diskurse, sondern auch die Entwicklung zu Standardisierung und Dogmatisierung auf der einen sowie die zunehmende Zweckorientierung und der Mangel an theoretischer Ausrichtung auf der anderen Seite.