Memorandum für eine fundierte Methodenausbildung vorgelegt

News vom 25.03.2008

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Human- und Sozialwissenschaften sprechen sich für eine deutlich verbesserte Vermittlung qualitative Forschungsmethodik in Lehre und Ausbildung aus

Die Mitwirkenden des Berliner Methodentreffens Qualitative Forschung haben nun ein "Memorandum für eine fundierte Methodenausbildung in den Human- und Sozialwissenschaften" an deutschen (Fach-) Hochschulen verabschiedet. Über 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen fordern darin eine angemessene Berücksichtigung qualitativer Forschungsmethoden in Lehre und Ausbildung. Die Organisatoren rufen nun wissenschaftliche Fachgesellschaften und Interessierte zur weiteren Verbreitung des Memorandums auf und werben für eine breite Unterstützung.

Im Zuge der Symposien zur "Lehr- und Lernbarkeit qualitativer Forschung" beim Berliner Methodentreffen 2006 und zu "Qualitative Forschung in der Praxis" (2007) entstand die Idee für einen Forderungskatalog angesichts der überall beklagten schlechten Ausbildungssituation. Denn wenn qualitative Forschung nicht besser gelehrt und nicht in die Ausbildung integriert wird, dann droht die von Christel Hopf und Wolfgang Müller schon vor 15 Jahren für die Soziologie getroffene Diagnose, dass "Studierende und Absolventen … vielfach Probleme mit der Umsetzung elementarster Anforderungen an qualitative Forschung haben", bald (wieder) eine ganz reale und für die meisten Studiengänge und Studienorte zutreffende Beschreibung des Status Quo zu werden.

Nun haben alle bisherigen Referentinnen und Referenten der größten deutschsprachigen Veranstaltung zu qualitativer Forschung das Memorandum unterzeichnet. Darin fordern die Vertreterinnen und Vertreter aus der Soziologie, Sozialarbeitswissenschaft, Psychologie, Erziehungswissenschaft, Medienwissenschaft und Wirtschaftwissenschaft eine Lehre, die in Umfang und Arbeitsformen den methodischen Ansprüchen aus der (Forschungs-) Praxis Rechnung trägt. Diese Lehre müsse

  • für die besondere Charakteristik qualitativer Forschung sensibilisieren,
  • die forschungspraktische Logik eines qualitativen Forschungsstils plausibilisieren,
  • helfen, eine begründete Methodenwahl und Anlage empirischer Studien zu entwerfen und
  • forschungsethische Richtlinien angemessen berücksichtigen und vermitteln.

Im Hochschulalltag ist eine so ausgerichtete Lehre bisher eher die Ausnahme als die Regel. Auch finden sich zwischen den Disziplinen immer noch deutliche Unterschiede. So liegen zwar seit längerem "Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie zur Methodenausbildung" vor. Doch in vielen anderen Fächern fehlt es an solchen orientierenden Vorgaben, die sich ernsthaft für einen Methodenpluralismus und für eine gegenstandsangemessene Wahl von Forschungsmethoden aussprechen. Eine angemessene Methodenausbildung muss in Studienordnungen und Rahmenplänen verankert werden. Außerdem sind ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen vorzusehen, damit Seminare, Projektkurse, Forschungswerkstätten, Arbeitsgruppen (real wie virtuell) angeboten und effektiv umgesetzt werden können.

Das Memorandum im Wortlaut.

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